
Wo wuchtige Mannsbilder in Zwilchhosen einander so lange «lupfen», bis die Schulterblätter des einen den Boden berühren, ist die Begeisterung der Zuschauer:innen gross. Wann und wo das Schwingen, diese typische schweizerische Variante des Ringens, zum ersten Mal ausgeübt wurde, weiss niemand so genau. Es scheint, dass der Sport schon immer zur Schweiz gehörte – das suggerieren zumindest die «Schwinger-Darstellungen» aus dem 13. Jahrhundert in der Kathedrale von Lausanne. Einst massen sich dabei Sennen und Hirten, heute hat das Schwingen einen festen Platz in der Schweizer Sportlandschaft. An den zahlreichen Wettkämpfen – wie beispielsweise der Kemmeriboden-Schwinget, die auch als Wiege des Hosenlupfs gilt – ist die Stimmung einzigartig und das Publikum bunt durchmischt. Interessierten «Modis» und «Giele» bietet der Bernisch Kantonale Schwingerverband Einführungskurse an.
Hornussen zählt neben Schwingen und Steinstossen zu den drei traditionellen Schweizer Nationalsportspielen. Es wird besonders im Kanton Bern gespielt, seine Wurzeln liegen im Emmental. Schriftlich belegt ist Hornussen seit über 400 Jahren: Das erste bekannte Wetthornussen fand 1655 in Trub statt. Gespielt wurde ursprünglich vor allem in bäuerlichen Kreisen, oft auf abgeernteten Feldern. Mit der Gründung des Eidgenössischen Hornusserverbands 1902 in Burgdorf entwickelte sich der Volksbrauch zum organisierten Wettkampfsport. Schon früh fanden Hornussenwettkämpfe auch im Umfeld nationaler Feste statt, etwa am ersten Schwingfest oder Älplerfest.
Wie wird Hornussen gespielt und woher kommt der Name? Beim Hornussen schlägt eine Mannschaft den «Nouss», ein kleines Hartgummigeschoss, mit dem 2,5 bis 3 Meter langen «Stecken» aus Kohlenfasern von der Abschlagvorrichtung «Bock» möglichst weit und mit sehr hoher Geschwindigkeit ins gegnerische Spielfeld, das «Ries», um möglichst viele Punkte zu holen. Die andere Mannschaft versucht, den anfliegenden «Nouss» mit der aus Holz gefertigten Abfangschaufel «Schindel» in der Luft abzufangen. Dadurch entsteht ein spezieller Ton, vergleichbar mit dem Summen einer Hornisse. Davon wurde der Name «Hornussen» abgeleitet.
Bis heute ist Hornussen beides: Sport und gelebte Tradition. Es verbindet Wettkampf, Vereinsleben, regionale Identität und Brauchtum. Schnuppertage, Nachwuchsarbeit, Meisterschaften und neue Formate wie Livestreams zeigen, dass die Tradition lebendig bleibt und weitergegeben wird. Wer Hornussen live erleben oder selbst ausprobieren möchte, findet an den Nationalen Schnuppertagen im Mai, am Interkantonalen Hornusserfest und an weiteren Hornusserfesten die passend Gelegenheit.
Seit Dezember 2025 ist das Schweizer Jodeln offiziell auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Lange bevor Nachrichten per Handy verschickt wurden, verständigten sich Bauern, Hirten und Sennen mit Juchzern und Alpschreien über weite Distanzen. Aus diesen ursprünglichen Lauten entwickelte sich später das Jodeln: ein Gesang ohne Text, der bis heute berührt. In der Region Bern finden jedes Jahr zahlreiche Jodelfeste statt, an denen Besucher:innen eindrucksvolle Stimmen, kunstvoll gefertigte Trachten und gelebtes Brauchtum erleben. Das erste Eidgenössische Jugendjodlerfest findet vom 11. bis 13. September 2026 in Grindelwald statt.